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No walking dead!

Keine Angst vor deinen Gedanken!

*Mein Blog-Artikel erschien erstmals am 2. März. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht absehbar, welche Auswirkungen das Corona-Virus auf die Welt-Bevölkerung und unsere Gesellschaft haben wird. Ich versuche den Text regelmäßig zu aktualisieren, kann aber nicht ausschließen, dass das Geschriebene sich bereits überholt hat.

Fans von Katastrophen-Szenarien oder einem Infektionsinferno kommen derzeit voll auf ihre Kosten. Und das sage ich als bekennende Hobby-Hypochonderin und The Walking Dead-Fan! Angst ist bekanntlich kein guter Ratgeber, auch nicht bei Covid 19. Doch, gibt es (gedankliche) Alternativen zur kollektiven Covid-Hysterie  Covid-Angst?

Von Krankheitsängsten und Sorgen

Die Angst vor Ansteckung nimmt zu – das spüre ich auch bei meinen Patienten. Die Verunsicherung, wie, ob und wann man selbst von der Corona-Infektionswelle betroffen sein könnte, schwebt wie ein Damoklesschwert über den Köpfen vieler Bürger. Besonders hart treffen die täglichen Meldungen über das Corona-Virus (SARS-CoV-2) derzeit aber die Menschen, die eh schon mit Krankheitsängsten zu kämpfen haben. Und damit meine ich nicht diejenigen, die sich manchmal spaßeshalber selbst als sogenannte Hypochonder bezeichnen, sondern jene, die tatsächlich an einer hypochondrischen Störung leiden.

Was versteht man unter “Hypochondrie”?

Eine kurze Begriffserklärung: Von pathologischen Gesundheitsängsten wird dann gesprochen, wenn der Betroffene denkt, an einer ernsthaften Erkrankung zu leiden, ohne dass sich für diese Angst ein angemessener, objektiver Befund finden lässt. Häufige Sorgen in diesem Kontext sind die Befürchtungen, zum Beispiel an Krebs, HIV, Herzinfarkt oder Schlaganfall erkrankt zu sein, und daran sterben oder einem langen Leidensweg ausgesetzt sein zu können. Die übermäßige Beschäftigung mit Körpervorgängen und die fast unverrückbare Überzeugung an einer potenziell tödlichen Krankheit zu sterben, werden von Betroffenen als quälend empfunden und schränken den Alltag immer mehr ein. Irgendwann dreht sich das ganze Leben nur noch um die Angst ernsthaft krank zu sein und/oder bald sterben zu müssen. Diese Ängste gehen dann meist mit einem hohen allgemeinen Anspannungsniveau einher.

Der “Everyday”-Hypochonder

Klar zu trennen von Betroffenen, die an einer hypochondrischen Störung nach ICD-10 leiden, ist der “Everyday”-Hypochonder. Der “Alltags-Hypochonder” zeichnet sich dadurch aus, dass er überdurchschnittlich besorgt um die eigene Gesundheit ist und sich auch ausgiebig und gerne mit seinen Körpervorgängen beschäftigt. Getriggert werden Krankheitsängste zudem durch Berichterstattungen zu Gesundheitsthemen im Internet, in Foren oder auf Social Media Kanälen. Auch beim allabendlichen TV-Zapping kommt man kaum mehr um Ratgeber-Sendungen vorbei. Ob “Visite”, “Gesundheit”, “Ernährungs-Docs” oder “Hauptsache gesund”! Wer die Wahl hat, hat auch im wahrsten Sinne des Wortes die Qual. Denn: So wichtig ein solides Wissen um die eigene Gesundheit ist, so verängstigend kann die übermäßige Beschäftigung mit Krankheiten werden. Viel hilft in diesem Fall nicht viel!

Von Preppern und Facebook-Gruppen

Wem die einschlägigen TV-Formate zu altbacken sind, der schaut sich alternativ im Internet um. Es gibt kaum eine Krankheit, die nicht in einer eigenen Facebook-Gruppe verewigt wurde. Ob Autoimmunerkrankungen, Krebs, psychische Leiden, Reflux-Geplagte…alles findet seinen Platz im Netz. Positiv an solchen Gruppen ist, dass man seine Sorgen mit anderen teilen kann, schwieriger wird es jedoch, wenn man sich ausschließlich in Facebook-Communities über eine Erkrankung informiert und blindlings alles glaubt, was dort geschrieben wird. Leider wird in vielen Gruppen gefährliches Halbwissen verbreitet und teils auch fragliche, manchmal sogar gesundheitsschädigende Tipps zum Besten gegeben. Ich rate zwar nicht generell ab von Health-Communitys, aber dann bitte nicht bei Beitritt den Verstand abgeben! 

Ein ganz aktuelles Beispiel für das Schüren von Krankheitssorgen sind die diversen Corona-Virus-Gruppen, die wie Pilze aus dem Internet schießen. Auf diesen zweifelhaften Treffpunkten, die meist wenig mit Information und Aufklärung zu COVID 19 zu tun haben, wird meist nur eines verbreitet: Panik! Hier sammeln sich vermehrt “besorgte Bürger”, die der Bild-Zeitung in puncto Sensationshascherei und der Verbreitung von Schreckensmeldungen Konkurrenz machen könnten. Gesunder Menschenverstand und objektive Fakten werden in diesen Gruppen ersetzt durch ungefilterte Weitergabe teils dubioser Inhalte von größtenteils unseriösen Quellen oder Urhebern. Ich rate dringend davon ab, sich mit Fakten zu COVID 19 dort zu versorgen, außer man hat Interesse an Feldstudien zu den Themen Desinformationsvielfalt oder gezielte Panikmache im Internet. Das bringt mich auch schon zum nächsten Thema, das zurzeit Höchstkonjunktur hat: Das wahllose Horten von Lebensmitteln, Klopapier, Getränken oder medizinischen Vorräten. Selbstgenähte Mundschutze mal ausgenommen. Normalbürger werden plötzlich zu Hobby-Preppern (Anm. abgeleitet vom Pfadfindergruß “Be prepared”, „Allzeit bereit“’).

Allzeit bereit oder allzeit verrückt?

Wer zuvor noch nie von “Preppern” gehört haben sollte, der weiß spätestens seit Ausbruch des Corona-Virus von jenen “Allzeit-Bereiten” und für jede Katastrophe Gerüsteten Bescheid. Ob richtige Lebensmitteleinlagerung, Wasseraufbereitung oder entsprechende Schutzkleidung, ein guter Prepper ist für jeden Notfall optimal vorbereitet. Vor einiger Zeit hat man Prepper höchstens als etwas eigentümlich oder sonderbar belächelt, doch jetzt scheinen die Tipps und Tricks der Survival-Begeisterten dankbare Abnehmer finden. Selbst in den vielen Thermomix-Gruppen dreht sich gefühlt alles nur noch um Einkaufen, Einkochen und Einlagern für den Fall einer Quarantäne, statt um “Corona Bordolese-Rezepte” (Anm.: Leckeres Maisbrot in Kranzform).

Nicht nur Covid 19 beherrscht die News-Ticker, auch die Krisenvorsorge hat Konjunktur. Ffp3 Atemschutzmasken sind ein rares Gut Symbol für die Corona-Pandemie geworden, das nicht mehr erhältlich ist auf dem Weltmarkt und wenn nur zu Mondpreisen auf irgendwelchen dubiosen Plattformen  auf normalen Wege kaum mehr zu bekommen ist im Handel. Selbst in einschlägigen Online-Shops heißt es beim Klick auf den Einkaufswagen immer häufiger: Leider für unbestimmte Zeit nicht mehr verfügbar. Bei Desinfektionsmitteln sieht es ebenfalls mau aus noch etwas besser aus, zumindest im Fachhandel. Bei DM, Rossmann oder auch in vielen Apotheken sind die Regale ebenfalls leergefegt. 

Hypochonder Corona

Panik erst, wenn Panik da?

Kommen wir wieder zurück zum “Everyday-Hypochonder”: Das tägliche Corona-Krisen-Szenario ist Wasser auf die Mühlen all jener, die auch sonst eher ängstlich durchs Leben spazieren. Der “Alltags-Hypochonder” wird quasi rehabilitiert und wechselt in Zeiten des weltweiten Virus-Alarms seinen Status von “Der ist halt ein wenig übertrieben übervorsichtig” zu “adäquat besorgter Bürger”. 

Neue auftretende Erkrankungen, für die es noch keine Medikamente gibt, machen erst einmal Angst. Soweit, so normal. Und ja, man darf durchaus besorgt sein bezüglich des weltweiten Vormarschs von COVID 19. ABER: Verrückt machen ist nicht hilfreich! Man darf und sollte vielmehr den allgemeinen Hygienschutzregeln folgen, die zur Grippezeit eh gelten (Weitere Infos hier: https://www.infektionsschutz.de/).

Friede sei mit dir und mit Corona

Das Coronavirus hätte niemand gebraucht. Jetzt ist es aber nunmal da. Also, was kann jeder einzelne tun, außer in Angst und Panik zu verfallen? Meine einfache, wenngleich auch subjektive Antwort auf das komplexe Geschehen: Die offiziellen Meldungen verfolgen, sich an Hygieneregeln zu halten und sein Immunsystem nicht weiter mit Ängsten zu traktieren. Deshalb sollte für den Moment, die aktuelle Situation und eigentlich auch zu jeder Zeit gelten: Gehe selbstfürsorglich mit dir um, achte auf eine gesunde Ernährung, Bewegung und auch dein “emotionales Immunsystem”. Sprich: Ersetze Angst durch Ressourcen! Folge dem, was dir Freude gibt, Zufriedenheit bereitet und dir gut tut. In diesem Sinne: Schließe “Peace” mit deiner Panik! 

Hilfreiche Gedanken und Fragen bei der Einschätzung des persönlichen Infektionsrisikos mit COVID 19:

  • Falle ich überhaupt in das Altersprofil (älterer Patient) oder gehöre ich in die Risikogruppe (Pneumologische Vorerkrankungen, Diabetes etc.) bei einer Infektion mit COVID 19? (Merke: Vier von Fünf Erkrankungsfällen verlaufen mild laut RKI; vor allem die Fälle, die nicht in Risikogruppen fallen)
  • Wie viele Menschen kenne ich um mich herum, die bereits erkrankt sind?
  • Woher habe ich meine Informationen zum Corona-Virus?
  • Die Einhaltung der gängigen und empfohlenen Hygieneregeln kann vor Infektionen schützen (Händehygiene, Husten- und Nies-Etikette sowie Abstandhalten zu Erkrankten + Mundschutze).

Denkverzerrungen aufdecken

Sicherheitsdenken
  • Jede Erkrankung birgt Risiken, es gibt keine 100-prozentige Sicherheit! Auch nicht bei der Grippe, bei einem Zeckenbiss, Toxoplasmose oder Ähnlichem. Es gibt immer ein Restrisiko ernsthaft zu erkranken.

  • Ich kann mich nie komplett schützen. Und das ist ok!
Katastrophisierung

Beispiel: “Die Epidemie Pandemie wird ganz furchtbar werden, alle werden sterben, unser Planet wird ausgelöscht…!”

Überlegung: Der Ausbruch einer Epidemie/Pandemie ist tragisch, aber die Mehrzahl der Menschen wird überleben! Vor allem in Staaten mit einem guten Gesundheitssystem. Ja, es werden Menschen sterben, aber der größte Teil derer, die davon betroffen sind, waren bereits vorerkrankt oder, was tatsächlich tragisch und zugleich traurig ist, hatten das Pech, in einem Land ohne ein stabiles Gesundheitssystem zu leben und/oder von einer Regierung abhängig zu sein, die das Allgemeinwohl seiner Bevölkerung nicht an erste Stelle stellt. Siehe Brasilien…

Über-Generalisierung / übertriebene Verallgemeinerung

Beispiel: “Wenn etwas Schlimmes passiert, bin ich immer der Erste der betroffen ist!”

Überlegung: Stimmt das? Trägst du wirklich alleine die Bürde aller negativer Erlebnisse, die einem passieren können. Geschehen anderen Menschen vielleicht auch negative Dinge? Bist du wirklich so einzigartig, dass du immer ganz oben auf der Liste stehst bei negativen Ereignissen? 

Voreilige Schlussfolgerungen

Beispiel: “Der Gesundheitsminister schaut so ernst – wir werden alle sterben!”

Überlegung: Schaut er wirklich so ernst? Wie schaut er denn sonst drein? Darf er bei einem wichtigen Thema nicht auch ernst aussehen? Hat er auch schon bei harmlosen Themen in der Vergangenheit ernst ausgesehen? Wie oft hast du ihn schon lächeln gesehen, wann war das zuletzt?

Schwarz-Weiß-Denken

Beispiel: “Alle sind vom Virus betroffen und es werden bestimmt alle daran sterben! Wenn ich mich nicht zu 100 Prozent schütze, und alle Risiken in meine Betrachtung miteinbeziehe, dann werde ich auf jeden Fall an dem Virus erkranken.”

Überlegung: Nicht jeder ist von dem Virus betroffen, beispielsweise Kinder erkranken seltener, und die Erwachsenen (Risikogruppen ausgeschlossen), die an Covid 19 erkranken, erfahren meist nur milde Symptome und gesunden wieder vollständig.

Emotionale Beweisführung

Beispiel: “Unsere Regierung lügt uns doch an, die sagen uns nicht die ganze Wahrheit…!”

Überlegung: Woher weißt du mit hunderprozentiger Sicherheit, dass die offiziellen Stellen lügen sollten? Habe ich hierfür einen Beweis? Aus welchen Quellen hast du deine Informationen (Facebook gilt nicht!!!)? Bist du dir sicher, dass das wirklich wahr ist? Wer hat das behauptet? Ist deine Meinung nur ein Gefühl oder eine konkrete Beobachtung

Etikettierung

Beispiel: “Ich werde immer krank! Ich bekomme das Virus auf jeden Fall!”

Überlegung: Warum bist du dir da so sicher? Im Vergleich zu der Durchschnittsbevölkerung, wie oft warst du im Vergleich krank? (Ohne beweisgebundene Recherche kein Etikett!). Warst du wirklich 365 Tage lang krank im letzten Jahr, also immer? Warum solltest gerade du das Virus bekommen?
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Antworten auf die häufigsten Fragen zum Coronavirus finden Sie auch auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts:

https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/FAQ_Liste.html

Hilfreiche und seriöse Infos zum Thema “Corona” findest du unter anderem hier:

→ Bundesministerium für Bildung und Forschung

→ Das Coronavirus-Update mit Christian Drosten

Ängste in Zeiten von Corona

Wie kann ich konkret mit meinen Ängsten in Corona-Zeiten umgehen? Wie kann ich meine persönliche “Gedanken-Apokalypse” stoppen?
Auf all diese Fragen versuche ich in meinem aktuellen Blog Beitrag im Experten-Ratgeber von Jameda Antworten zu geben.
Hier geht’s zum Experten-Artikel…