Angststörung

Was tun gegen Angst?

Angst bzw. Angstzustände, teilweise sogar einhergehend mit Panikattacken betreffen circa 15 Prozent der Deutschen. Das sind in etwa 12 Millionen Menschen, die von einer Angststörung betroffen sind. Mit Psychotherapie bzw. der Verhaltenstherapie lassen sich krankhafte Ängste aber gut behandeln und die Angst vor der Angst überwinden!

„Ich habe Angst!“

Was ist eigentlich Angst?

Angst gehört zum Leben dazu. Wie Wut oder Freude ist sie ein fester Bestandteil unseres Gefühls-Repertoires. Zwar empfinden die meisten Menschen Angst als etwas äußerst Unangenehmes, sie ist aber per se nicht gefährlich. Ab und zu Angst zu haben ist völlig normal und oft sogar notwendig. Angst hilft uns auch in einigen Situationen unser Bestes zu geben:

Denken Sie zum Beispiel an eine Prüfung oder ein Bewerbungsgespräch – hier hilft die Angst bereits im Vorfeld uns auf die gefürchtete Situation vorzubereiten, indem wir rechtzeitig den Prüfungsstoff pauken oder uns vor dem Vorstellungsgespräch über das Unternehmen informieren. Die Angst treibt uns an, in den genannten Beispielen sogar im positiven Sinne! Manchmal lässt sie uns sogar flüchten, was überlebensnotwendig sein kann, beispielsweise bei einem Wohnungsbrand.

Doch nicht immer ist Angst hilfreich! Bei einigen Menschen wird das Angst-System ohne ersichtliche Gefahrenquelle aktiviert und setzt den Körper in eine Art Alarmzustand.

Fürchtet man sich beispielsweise vor Dingen oder Situationen, die andere Menschen als selbstverständlich hinnehmen würden und die keiner echten Bedrohung entsprechen, spricht man von einer Angststörung. Neben der Depression ist die Angststörung die am häufigsten verbreitete psychische Erkrankung.

Deshalb ist es für Betroffene auch wichtig, zu verstehen, was sich im Körper bei Ängsten oder einer Panikattacke abspielt. Was Angst mit dem Körper macht und welche Rolle die Gedanken dabei spielen, erkläre ich im Folgenden:

Welche Angststörungen treten häufig auf?

Als Expertin für Angstzustände sehe ich in meiner Praxis alle Formen der Angst. Die häufigsten Angststörungen, weshalb ich aufgesucht werde, sind:

Agoraphobie

Die Agoraphobie ist eine Angststörung, die besonders mit der Furcht vor Menschenansammlungen und Reisen alleine verbunden ist. Typische Situationen, in denen diese Angst gerne “zuschlägt”: In öffentlichen Verkehrsmitteln, beim Autofahren, in der Schlange an der Supermarktkasse, im Kinosaal oder bei Veranstaltungen aller Art. Die Agoraphobie tritt oft gemeinsam mit Panikattacken auf. Meist gingen der Störung sogar eine oder mehrere Panikattacken voraus, die sich dann in einem Teufelskreislauf aus Angst vor der Angst festigten und in starkem Vermeidungsverhalten endeten. Viele Betroffene fürchten sich davor, in einer angstbesetzten Situation in Ohnmacht fallen zu können oder nicht rechtzeitig aus ihr fliehen zu können. Körperliche Angstsymptome sind bei der Agoraphobie ebenfalls häufig zu beobachten, zum Beispiel: Zittern, schwitzen, Taubheitsgefühle, Schwindel, Gangunsicherheit, Entfremdungsgefühle, verschwommenes Sehen, Herzrasen, Pulsanstieg (manchmal über 100) und Atemnot.

Hyochondrie Saarbrücken

Hypochondrie / Somatisierungsstörung

Der Begriff Hypochondrie wird fälschlicherweise im Volksmund gerne dazu benutzt, Menschen zu beschreiben, die sich im übertriebenen Maße um ihre Gesundheit sorgen bzw. die gerne Ärzte aufsuchen. Dabei werden solche Menschen gerne belächelt und mit ihren Sorgen nicht ernst genommen. Ein “echter” Hypochonder leidet jedoch so stark unter Krankheitsängsten, dass sie für ihn tatsächlich kein Grund zum Lachen sind. Die Hypochondrie ist eine ernstzunehmende und massiv einschränkende Erkrankung, die Betroffenen ein unbeschwertes Leben nahezu unmöglich macht. Menschen mit Krankheitsängsten befürchten ständig an einer schlimmen Krankheit sterben zu müssen oder mindestens einem langen Siechtum ausgesetzt zu sein. Von allen möglichen schweren Krankheiten, z.B. Schlaganfall oder Herzinfarkt,  bis hin zu seltensten Krebserkrankungen über HIV bis hin zu Toxoplasmose oder Creutzfeld-Jakob – jede Krankheit ist möglich, solange sie früher oder später tödlich oder äußerst einschränkend ist. Als Folge kommt es zu häufigem Doktor-Hopping mit starken Rückversicherungstendenzen, sprich: Ein Besuch beim Arzt mit positiver Rückmeldung, dass man gesund sei, bringt erst einmal Entlastung. Jedoch nur kurzfristig! Langfristig kommen entweder neue Symptome hinzu oder eine andere Krankheitsangst bestimmt bald wieder das Denken. Ängste um die eigene Gesundheit treten deshalb auch häufig mit Panikattacken auf. Bei der Hypochondrie ist das Leben im wahrsten Sinne lebensbedrohlich. 

Panikstörung

Die Panikstörung wird auch als frei flottierende Angst bezeichnet, da sie selten auf bestimmte Situationen beschränkt ist, sondern wie aus heiterem Himmel über einen einbrechen kann. Panikattacken gehen mit vielfältigen körperlichen Symptomen einher, zum Beispiel: Schwitzen, zittern, Angst zu sterben, Schwindel, Erstickungsgefühle, Übelkeit, Herzrasen und hohem Puls. Eine Panikattacke kann zwischen wenigen Minuten, selten aber länger als eine Stunde anhalten. Hat man das Gefühl die Panik dauert über mehrere Stunden, ist oftmals ein starkes Angstgefühl, das in Wellen verläuft dafür verantwortlich. Tatsächlich reguliert unser Körper (speziell der Parasympathikus) die Angst herunter und versucht den Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Das immer wieder “aufschwappende” Angstgefühl wird von vielen Patienten jedoch als anhaltende Panikattacke beschrieben. Die Panikstörung wird als äußerst belastend empfunden, da sie so unberechenbar scheint und sehr häufig auch in entspannten Situationen, z.B. beim Sitzen auf der Couch auftauchen kann. 

Generalisierte Angst

Generalisierte Angststörung

Diese Form der Angststörung zeichnet sich durch starke Befürchtungen aus, was die eigene Zukunft oder die Gesundheit und das Wohlergehen von Angehörigen betrifft. Die generalisierte Angststörung manifestiert sich nicht auf einen bestimmten Lebensbereich, sondern kann viele Bereiche betreffen – daher auch der Name “generalisierte Angst”. Es ist oftmals eine diffuse, schwer zu greifende Angst, bei der am Ende jedoch immer die Befürchtung einer bald eintretenden Katastrophe steht. Die damit einhergehenden körperlichen Symptome, die teilweise konstant vorhanden sind, sind für Betroffene sehr einschränkend und können auch massives Vermeidungsverhalten verursachen. Beispielsweise werden die Kinder nicht mehr zum Spielen zu den Nachbarskindern gelassen, weil die Angst zu groß ist, es könnte ihnen ohne die eigene Obhut etwas Schlimmes passieren. Exemplarisch ist ebenso ein “Was-wäre-wenn-Denken”, dass irgendwann das gesamte Denkmuster bestimmt und zu Symptomen, wie Muskelverspannungen, Kopfschmerzen, zittern, Übelkeit, Schwindel, Kloßgefühlen im Hals und Schlafstörungen führt.

Soziale Phobie

Die soziale Phobie entwickelt sich meist schon im Kindes- und Jugendalter und zeichnet sich vor allem durch die Angst aus, sich peinlich oder unangemessen zu verhalten. Im Mittelpunkt zu stehen ist für Menschen mit sozialer Angst der blanke Horror, denn sie befürchten häufig, sich “falsch zu verhalten” und vom Gegenüber negativ bewertet zu werden. Das daraus resultierende Vermeidungsverhalten ist dann oftmals so extrem, dass nur selten Kontakt zu fremden Personen aufgesucht wird oder das eigene Zuhause als einziger sicherer Ort empfunden wird. Die soziale Phobie ist nicht mit normaler Schüchternheit zu verwechseln. Bei Schüchternheit sind bestimmte soziale Situationen lediglich unangenehm, jedoch noch bewältigbar. Bei sozialen Ängsten werden soziale Interaktionen mit fremden Menschen oftmals gänzlich vermieden bzw. können nur unter größten Anstrengungen und starker Angst aufgenommen werden.

Was passiert bei Angst?

Es gibt drei verschiedene Komponenten, die bei Entstehung und Aufrechterhaltung von Angststörungen eine Rolle spielen:

Gefangen im "Angst-Käfig"

Angststörung | Die Symptome

Die körperliche Komponente

Bei Angst wird unser autonomes Nervensystem aktiviert. Unser Gehirn funkt Botschaften an unser Nervensystem, das sich in zwei Bereiche aufteilt: Das sympathische und das parasympathische Nervensystem. Sobald wir eine potentielle Gefahr wahrnehmen, wird unser sympathisches Nervensystem blitzschnell in den Kampf oder Flucht-Modus versetzt. Unser Körper bereitet sich also vor, auf eine Gefahr zu reagieren: Die Atmung wird schneller, der Herzschlag intensiviert sich, wir fangen an zu schwitzen, der Magen fühlt sich flau an und unsere Pupillen weiten sich. Wenn wir Angst haben, nehmen wir körperliche Reaktionen sehr viel intensiver wahr. Wir stufen die Symptome oft auch als bedrohlich ein und denken beispielsweise, dass wir gleich in Ohnmacht fallen oder einen Herzinfarkt erleiden werden. Was aber in den seltensten Fällen wirklich passiert. Mir ist jedenfalls kein Fall bekannt, der auf Grund von Angst umgekippt ist.

Wichtig zu wissen ist: Angst geht immer mit körperlichen Reaktionen einher! Das ist völlig normal. Und es ist auch normal, dass man diese körperlichen Prozesse als unangenehm empfindet. Wenn sie jedoch zunehmend als quälend empfunden werden, sollte man etwas gegen seine Angst unternehmen.

Aber nicht nur unser Körper macht sich bei Angst bemerkbar, auch unsere Gedanken spielen dabei eine Rolle.

Angst vor der Angst

Die gedankliche Komponente

Unsere Gedanken beeinflussen unser Gefühle und unser Verhalten. Und damit auch unsere körperlichen Reaktionen.

Ein Beispiel: Eine Frau unternimmt eine Bergwanderung. Beim Aufstieg merkt sie, dass ihr Herz schneller schlägt und sich ihre Atmung beschleunigt. Ihr möglicher Gedanke: „Ganz schön anstrengend so eine Kraxelei!“ In einer anderen Situation bewertet sie diese körperlichen Reaktionen jedoch völlig anders. Fängt ihr Herz im Ruhezustand an schneller zu schlagen, beispielsweise beim gemütlichen Liegen auf der Couch, wird dieser Zustand plötzlich als bedrohlich wahrgenommen – schließlich gibt es für diese Reaktion keine einleuchtende „Begründung“. „Ich glaube, mit mir ist irgendwas nicht in Ordnung!“ könnte sie dann beispielsweise denken. Doch genau solch eine Bewertung ruft Angst hervor. Alleine der Gedanke, dass körperlich vielleicht etwas nicht stimmen könnte. So werden normale körperliche Reaktionen, z.B. ein beschleunigter Puls und ein schneller schlagendes Herz schnell überbewertet.

Blitzschnell setzt sich die Angstspirale aus Bewertungen und Befürchtungen in Gang und das Angstsystem wird aktiviert. Automatisch stellt sich auch unser Körper auf Gefahr ein, obwohl objektiv gesehen hierfür kein Anlass besteht. Was wir denken und wie wir Dinge bewerten geschieht in Sekundenaugenblicken. Neben unseren Gefühlen und den Gedanken kommt schließlich noch eine dritte Komponente hinzu: Unser Verhalten.

Frau in Käfig

Es gibt keine Grenzen. Nicht für den Gedanken, nicht für Gefühle. Die Angst setzt die Grenzen.

– Ingmar Bergman –

Elefant, halber Elefant

Teufelskreislauf der Angst

Die Verhaltens-Komponente

Nehmen wir einmal an, jemand bekommt während der Fahrt in einer vollbesetzen Straßenbahn starke Angst, vielleicht sogar eine Panikattacke. Wenn diese Person aufgrund dieses Erlebnisses zukünftig darauf verzichtet, wieder in eine Straßenbahn einzusteigen, spricht man von Vermeidungsverhalten. Das bedeutet, die betroffene Person entzieht sich der angstmachenden Situation und konfrontiert sich nicht mehr mit ihr. Ein anderes Verhalten, was Menschen ist angstbesetzten Situationen ebenfalls zeigen können: Sie flüchten. Dieses Szenario wäre bei unserem Straßenbahn-Beispiel eingetreten, wenn die betroffene Person an der nächsten Haltestelle ausgestiegen wäre, um nicht länger der starken Angst ausgesetzt zu sein. Aber nicht nur Flucht oder Vermeidung sind Strategien, die Menschen in Angstmomenten anwenden. Auch Hilfsmittel kommen zum Einsatz, um gefürchtete Situationen zu „überleben“. Das Smartphone wird zum Notfalldraht zur besten Freundin und der Griff zu den „Rescue-Tropfen“ die letzte Rettung vor der befürchteten Ohnmacht.

Letztlich ist es egal, welche Strategie verwendet wird, um die Angst „auszutricksen“: Ob Vermeidung, Flucht oder Hilfsmittel – alle Methoden haben nur ein Ziel, der Angst zu entkommen. Das wiederum hat weitreichende Konsequenzen für die Betroffenen. Durch dieses Verhalten werden sie noch ängstlicher. Es entsteht ein Teufelskreis aus Angst. Auf Dauer leidet die Lebensqualität! In einigen Fällen kann die Angst vor der Angst sogar zu beruflichen sowie sozialen Konflikten führen.

Schluss mit der Angst!

Wenn Angst beginnt das Leben einzuschränken, ist es Zeit zu handeln. Denn: Je früher man sich seiner Angst stellt, desto schneller kann man sie wieder loswerden. Vor allem die kognitive Verhaltenstherapie hat in zahlreichen internationalen Studien bewiesen, dass Angststörungen gut behandelbar sind – wenn sie denn erkannt werden. Deshalb gilt die Faustregel: Lieber früher Hilfe in Anspruch nehmen, als später. Sonst drohen Chronifizierungen.

Ich bin Ihre Angst-Expertin…

…wenn Sie bemerken, dass die Angst in bestimmten Situationen Ihres Alltags über Hand nimmt und Sie immer mehr Situationen vermeiden, die früher gar kein Problem darstellten.

Lassen Sie die Angst nicht über Ihr Leben bestimmen, sondern bieten Sie ihr die Stirn!

Als erfahrene Angst-Therapeutin unterstütze ich Sie gerne auf Ihrem Weg raus aus der Angst.

Barbara Deppe, Psychotherapie Saarbrücken

Fakten zum Thema Angststörung

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...erkranken an einer Angststörung

Insgesamt leiden 25 Prozent aller Menschen in Deutschland mindestens einmal im Leben unter einer Angststörung

Quellen: Statista

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...haben Angst davor, in der Öffentlichkeit zu sprechen

Auf Platz 1 der am häufigsten verbreiteten Ängste, ist das Reden vor Publikum

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...Frauen haben mehr Ängste als Männer

Frauen sind doppelt so häufig von einer Angststörung betroffen, wie Männer

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...leiden unter Platzangst

Platzangst liegt ganz vorne bei den am häufigsten vorkommenden Ängsten

Video-Tipp!

Die “kleine Atemübung” für zwischendurch hilft zu entspannen und das Angstniveau zu senken. Viel Spaß beim Ausprobieren!
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Im Video “Panik-Notfallkoffer – was tun bei einer Panikattacke?” zeige ich dir ein paar Strategien, wie du dir bei einer Panikattacke selbst helfen kannst.
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