Angst

Raus aus dem Angst Käfig!

„Ich habe Angst!“

Was ist eigentlich Angst?

Angst gehört zum Leben dazu. Wie Wut oder Freude ist sie ein fester Bestandteil unseres Gefühls-Repertoires. Zwar empfinden die meisten Menschen Angst als etwas äußerst Unangenehmes, sie ist aber per se nicht gefährlich. Ab und zu Angst zu haben ist völlig normal und oft sogar notwendig. Angst hilft uns auch in einigen Situationen unser Bestes zu geben: Denken Sie zum Beispiel an eine Prüfung oder ein Bewerbungsgespräch – hier hilft die Angst uns bereits im Vorfeld auf die gefürchtete Situation vorzubereiten, indem wir rechtzeitig den Prüfungsstoff pauken oder uns vor dem Vorstellungsgespräch über das Unternehmen informieren. Die Angst treibt uns an, in den genannten Beispielen sogar im positiven Sinne! Manchmal lässt sie uns sogar flüchten, was überlebensnotwendig sein kann, beispielsweise bei einem Wohnungsbrand.

Doch nicht immer ist Angst hilfreich! Bei einigen Menschen wird das Angstsystem ohne ersichtliche Gefahrenquelle aktiviert und setzt den Körper in eine Art Alarmzustand.

Was passiert bei Angst?

Es gibt drei verschiedene Komponenten, die bei Entstehung und Aufrechterhaltung von Angst eine Rolle spielen:

Die körperliche Komponente

Bei Angst wird unser autonomes Nervensystem aktiviert. Unser Gehirn funkt Botschaften an unser Nervensystem, das sich in zwei Bereiche aufteilt: Das sympathische und das parasympathische Nervensystem. Sobald wir eine potentielle Gefahr wahrnehmen, wird unser sympathisches Nervensystem blitzschnell in den Kampf oder Flucht-Modus versetzt. Unser Körper bereitet sich also vor, auf eine Gefahr zu reagieren: Die Atmung wird schneller, der Herzschlag intensiviert sich, wir fangen an zu schwitzen, der Magen fühlt sich flau an und unsere Pupillen weiten sich. Wenn wir Angst haben, nehmen wir körperliche Reaktionen sehr viel intensiver wahr. Wir stufen die Symptome oft auch als bedrohlich ein, denken beispielsweise, dass wir gleich in Ohnmacht kippen oder einen Herzinfarkt erleiden werden. Was aber in den seltensten Fällen wirklich passiert. Wichtig zu wissen ist: Angst geht immer mit körperlichen Reaktionen einher! Das ist völlig normal. Und es ist auch normal, dass man diese körperlichen Prozesse als unangenehm empfindet. Wenn sie jedoch zunehmend als quälend empfunden werden, sollte man etwas gegen seine Angst unternehmen.

Aber nicht nur unser Körper macht sich bei Angst bemerkbar, auch unsere Gedanken spielen dabei eine Rolle.

Die gedankliche Komponente

Unsere Gedanken beeinflussen unser Gefühle und unser Verhalten. Und damit auch unsere körperlichen Reaktionen. Ein Beispiel: Eine Frau unternimmt eine Bergwanderung. Beim Aufstieg merkt sie, dass ihr Herz schneller schlägt und sich ihre Atmung beschleunigt. Ihr möglicher Gedanke: „Ganz schön anstrengend so eine Kraxelei!“ In einer anderen Situation bewertet sie diese körperlichen Reaktionen jedoch völlig anders. Fängt ihr Herz im Ruhezustand an schneller zu schlagen, beispielsweise beim gemütlichen Liegen auf der Couch, wird dieser Zustand plötzlich als bedrohlich wahrgenommen – schließlich gibt es für diese Reaktion keine einleuchtende „Begründung“. „Ich glaube, mit mir ist irgendwas nicht in Ordnung!“ könnte sie dann beispielsweise denken. Doch genau diese Bewertung kann Angst hervorrufen. Nur durch den Gedanken, dass körperlich vielleicht etwas nicht stimmt. So können normale körperliche Reaktionen, z.B. ein höherer Puls überbewertet werden. Blitzschnell setzt sich die Angstspirale aus Bewertungen und Befürchtungen in Gang und das Angstsystem wird aktiviert. Automatisch stellt sich auch unser Körper auf Gefahr ein, obwohl objektiv gesehen kein Anlass hierfür besteht. Was wir denken und wie wir Dinge bewerten, passiert in Sekundenaugenblicken. Neben unseren Gefühlen und den Gedanken kommt schließlich noch eine dritte Komponente hinzu: Unser Verhalten.

Die Verhaltens-Komponente

Nehmen wir einmal an, jemand bekommt während der Fahrt in einer vollbesetzen Straßenbahn starke Angst, vielleicht sogar eine Panikattacke. Wenn diese Person aufgrund dieses Erlebnisses zukünftig darauf verzichtet, wieder in eine Straßenbahn einzusteigen, spricht man von Vermeidungsverhalten. Das bedeutet, die betroffene Person entzieht sich der angstmachenden Situation und konfrontiert sich nicht mehr mit ihr. Ein anderes Verhalten, was Menschen ist angstbesetzten Situationen ebenfalls zeigen können: Sie flüchten. Dieses Szenario wäre bei unserem Straßenbahn-Beispiel eingetreten, wenn die betroffene Person an der nächsten Haltestelle ausgestiegen wäre, um nicht länger der starken Angst ausgesetzt zu sein. Aber nicht nur Flucht oder Vermeidung sind Strategien, die Menschen in Angstmomenten anwenden. Auch Hilfsmittel kommen zum Einsatz, um gefürchtete Situationen zu „überleben“. Das Smartphone wird zum Notfalldraht zur besten Freundin und der Griff zu den „Rescue-Tropfen“ die letzte Rettung vor der befürchteten Ohnmacht.

Letztlich ist es egal, welche Strategie verwendet wird, um die Angst „auszutricksen“: Ob Vermeidung, Flucht oder Hilfsmittel – alle Methoden haben nur ein Ziel, der Angst zu entkommen. Das wiederum hat weitreichende Konsequenzen für die Betroffenen. Durch dieses Verhalten werden sie noch ängstlicher. Es entsteht ein Teufelskreis der Angst. Auf Dauer leidet die Lebensqualität! In einigen Fällen kann Angst vor der Angst sogar zu beruflichen sowie sozialen Konflikten führen.

Schluss mit der Angst!

Wenn Angst beginnt das Leben einzuschränken, ist es Zeit zu handeln. Denn: Je früher man sich seiner Angst stellt, desto schneller kann man sie wieder loswerden. Vor allem die kognitive Verhaltenstherapie hat in zahlreichen internationalen Studien bewiesen, dass Angststörungen gut behandelbar sind. Ich biete in meiner Praxis bei der Therapie von Angststörungen sowohl Gruppen– als auch Einzeltherapie an.

Weitere Informationen zur Gruppentherapie bei Angst finden Sie unter folgendem Link: Angstgruppe Infos