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06 Aug 2018

Drei, zwei, eins…keins!

Wenn drei sich lieben, freut sich keiner. Das Beziehungsdreieck Geliebte, Affärenmann und Ehefrau ist in neun von zehn Fällen zum Scheitern verurteilt. Die Affäre bleibt eine Liaison ohne Gewinner und daran hat sich auch seit Jahrhunderten nichts verändert. Im Schatten kann Liebe nicht wachsen und sich entwickeln.*

(*Hinweis: Dieser Text nimmt die weibliche Sichtweise einer Schattenbeziehung ein – was jedoch nicht bedeutet, dass nicht auch Männer unter einem Beziehungsdreieck leiden)

Es spielt keine Rolle, wie du in deine Affäre reingeschlittert bist, was aber durchaus von Bedeutung ist: Wie geht’s dir damit? Fühlst du nur noch Schmerz, wenn er nicht bei dir sein kann? Spürst du die Hoffnungslosigkeit eurer Situation, die durch sein ständiges “vielleicht, irgendwann, wenn ich bereit dafür bin” genährt wird? Merkst du, wie tief in dir drin Beklemmung, Angst und Freudlosigkeit wachsen und sich in dir breit machen, wie ein Tumor, der gestreut hat?

Die Fiktion vom großen Glück

Klingt alles sehr pessimistisch und traurig – ist es auch! Denn deine große Liebe hat sich in den Wochen, Monaten oder Jahren, die ihr bereits im Schatten verbringt, zu einem Albtraum auf Repeat verwandelt. Die Gewöhnung an das Warten und Hoffen fühlt sich mittlerweile so normal für dich an, dass du den Bezug dazu verloren hast, was “normal” überhaupt bedeutet. Oder: Was zur Liebe dazu gehört und was nicht! So viel sei schon einmal verraten: Endlose Sorgenspiralen, die sich nur um eure gemeinsame Zukunft drehen, gehören nicht nicht zu den Gefühlen, die du haben solltest, wenn zwei sich lieben und sich zu ihrer Liebe bekennen. Bekennen…stimmt ja, da war ja was. Denn genau das tut er ja nicht, sich zu dir bekennen. Falls du jetzt einwirfst: “Er hat aber schon ganz oft gesagt, wie sehr er mich liebt…”, dann frag dich mal, wie gut du seine Familie, seine Kinder, seine Freunde, seine Eltern kennst? Die hast du nie getroffen?! Warum solltest du auch! Denn als Schatten bleibst du im Dunkeln. Es ist gar nicht vorgesehen, dass du die “Sonne” siehst. Oder weniger metaphorisch ausgedrückt: Sein soziales Umfeld gehört ihm und da hast du nichts zu suchen. Die Geliebte und sein privates Umfeld werden fein säuberlich voneinander getrennt. Du lebst in der Parallelwelt, auf einem anderen Kontinent. Auf jeden Fall ganz weit weg von seiner Realität. “Aber sein bester Freund weiß doch Bescheid über uns…” Glückwunsch! Und weiter? Glaubst du, durch diese Tatsache kämst du deinem Traum von einem gemeinsamen Leben und einem Umfeld, wo jeder über eure Liebe Bescheid weiß, näher? “Er ist aber immer für mich da, wenn ich ihn brauche…” Am Telefon, via Whatsapp oder Messenger? Das ersetzt natürlich ganz klar ein in den Arm nehmen, wenn du es brauchst (nicht wenn er Zeit für dich hat) oder ein zärtliches über deine Wangen streichen, wenn die Tränen über dein Gesicht kullern.

Du denkst, ich gehe zu hart mit “ihm” ins Gericht? Denn eigentlich ist er ganz anders. Der liebste, fürsorglichste, schönste, aufmerksamste Mensch, den du je kennengelernt hast. Er hat bestimmt ganz viele tolle Attribute, doch ein entscheidendes fehlt ihm: Verbindlichkeit! Das würde nämlich bedeuten, dass er jetzt bei dir ist. Neben dir auf der Couch sitzt und ihr zusammen “You, me and her” auf Netflix schaut. Euch um den letzten Löffel des Ben & Jerry’s Eisbecher kloppt, nur um euch dann leidenschaftlich zu küssen und den Chocolate Fudge Brownie-Geschmack von euren Lippen zu schmatzen. Hach, Zweisamkeit kann ja sooo romantisch sein, wenn sie denn stattfindet.

Back to life, back to reality….er ist nicht da.

Vielleicht, weil die Jüngste Schulaufführung hat, er mit seiner Frau zum geselligen Grillabend bei Freunden eingeladen ist oder weil er schlichtweg keine Ausrede findet, dich zu besuchen und mit dir Zeit zu verbringen. “Aber er hat’s ja auch nicht leicht…”! Wenn du das denkst, steckst du bereits knietief in der Rolle, der immer verständnisvollen, angepassten Geliebten. Die auf all seine Bedürfnisse ständig Rücksicht nimmt und irgendwann ihre eigenen nicht mehr spürt. “Aber…”, Stopp!!! Kein ABER mehr! Kein: Aber, wenn die Kinder größer sind, kein aber wenn seine Frau nicht mehr im Mutterschutz ist, kein aber wenn es seinen Eltern besser geht, kein aber wenn er sich deiner gaaaanz sicher sein kann. Diese vielen “aber” ließen sich noch unendlich fortsetzen und wahrscheinlich fallen dir auf Anhieb noch mehr ein. Aber, nix aber! Das “aber” ist eine Einschränkung, eine Entschuldigung für seinen Mangel an Eiern in der Hose. Um sich zu seiner Geliebten ernsthaft zu bekennen, braucht es Mut und kein aber, kein vielleicht und kein irgendwann! Es braucht ein klares: Ja, ich will dich, ich möchte eine Zukunft mit dir haben und ich weiß, dass ich hierfür einen Preis zahlen muss.


Barbara Deppe